Die Fische von Kumba

Veröffentlicht am 19. März 2026 um 00:08

Die Fische von Kumba leben tief im dunkelblauen Ozean. Noch nie ist ein Mensch dort gewesen und hat die Häuser der Fische von Kumba gesehen. In kleinen Höhlen in Felsen und Korallen wohnen sie, in mühsamer Arbeit zurechtgeschliffen und schön verziert mit alten Schneckenhäusern und je einer kostbaren Muschelperle.

Die Eingänge zu den Höhlen sind mit Vorhängen aus Seetang überhangen, denn die Fische von Kumba legen Wert auf Privatsphäre, wenn sie sich nicht gerade am Rücken des großen Rochen versammeln, um über die Geschicke der Gemeinde abzustimmen.

Eines Tages findet wieder eine Versammlung statt und die Fische von Kumba wählen wie jedes Mal zwei Fische aus, die „in das Reich der Götter aufsteigen“ dürfen. Je eine Perle steht für eine Stimme und wer die meisten Perlen anderer Fische erhalten hat, darf an die Wasseroberfläche schwimmen und in eine andere Welt eintreten – so heißt es bei den Fischen von Kumba.

Dieses Mal fällt die Wahl auf Siso und eine Fischin, die Siso immer schon näher kennenlernen wollte, sich aber nie so richtig getraut hatte sie anzusprechen: Viga. Sie war anders als die anderen Fische von Kumba. Immer wieder schwamm sie aus Neugier zur Wasseroberfläche und beobachtete die „Götter“ bei ihrem Treiben. Weil sie sich kaum für die Entwicklungen in der Gemeinde zu interessieren schien, sondern in Gedanken immer in der großen weiten Welt war, wurde sie von manchen Kumba-Fischen als Träumerin und Sonderling belächelt.

Für Siso galt das nicht. Er bewunderte den Mut von Viga. Ihre Begeisterung für die Welt außerhalb von Kumba ließ ihre Augen zum Leuchten bringen und sogar ihre Schuppen glitzerten für Siso schöner als die der anderen Fischinnen.

Die Wahl der Gemeinde ist für Siso gemäß der Tradition der Fische von Kumba eine große Ehre. Am letzten Tag seiner Anwesenheit in der Gemeinde werden er und Viga groß gefeiert. Es gibt ein Festmahl, das nichts zu wünschen übrig lässt. Rocheneier, gezwirbelte Rotkorallen und Meeresschnecken. Einfach nur köstlich… Doch der Tag geht für Siso viel zu schnell zu Ende. Aufgeregt und leicht nervös schwimmt Siso am Abend in seine Höhle und denkt an den morgigen Tag. An den Aufbruch in das „Reich der Götter“ oben an der Wasseroberfläche. Gott sei Dank wird Viga dabei sein, denkt er, als er sich in seine Schlafkoralle legt und von der Reise träumt…..